ALEXANDRIA - der Endnutzer-Anwendungsfall

Diesen Text als PDF laden

Das Forschungsprogramm THESEUS leistet einen Beitrag für eine neue internetbasierte Wissensinfrastruktur, in der das Wissen im Internet künftig besser aufbereitet und genutzt werden kann. Unter dem Dach von THESEUS entwickeln hierzu öffentliche und industrielle Forschungspartner gemeinsam innovative Basistechnologien und technische Standards.

THESEUS-Basistechnologien

Zu den Basistechnologien, die von den Forschungspartnern entwickelt werden, gehören unter anderem Funktionen zur automatisierten Erzeugung von Metadaten für Audio-, Video-, 2D und 3D- Bilddateien und deren anwendungsspezifische Kombination, sowie Mechanismen für die semantische Verarbeitung multimedialer Dokumente und der damit verknüpften Services. Im Fokus der Forschung steht auch die Entwicklung von Werkzeugen für das Management Ontologien-unterstützter Wissensrepräsentation. Darüber hinaus entwickelt das Konsortium neue Methoden des maschinellen Lernens und der situationsbewussten Dialogverarbeitung. Gleichzeitig wird auch an innovativen Benutzeroberflächen und Interfaces gearbeitet. Diese Basistechnologien werden von den Industriepartnern im Konsortium in sechs Anwendungsszenarien prototypisch umgesetzt und erprobt. Dabei soll überprüft werden, wie diese neuen Technologien zeitnah in innovative Werkzeuge, marktfähige Dienste und erfolgsversprechende Geschüftsmodelle für das WorldWideWeb und andere internetbasierte Netzwerke umgesetzt werden können.

THESEUS-Anwendungsszenario ALEXANDRIA

Alexandria ist das Teilprojekt in Theseus, das sich direkt an die Endanwender im Internet richtet und - analog der gleichnamigen antiken Bibliothek - die Vision einer Wissensplattform im Internet verfolgt. Sie wird die Anwender bei der Veröffentlichung, Weiterentwicklung und bei der Suche nach Inhalten unterstützen. Alexandria wird ihnen hierzu Hilfsmittel zur Verfügung stellen und eine möglichst einfache und intuitive Nutzung dieser Plattform ermöglichen.

Ausgangspunkt und besondere Herausforderung dabei ist die wachsende Bedeutung der Internetnutzer in Web-2.0-Anwendungen auf der einen Seite. Sie nutzen nicht nur Suchmaschinen, Email und Chat, sondern werden ein aktiver Teil des Internets und bringen ihre Interessen und Erfahrungen mit ein. Auf der anderen Seite werden die zur Verfügung stehenden Technologien immer “intelligenter”. Sie können große Mengen an Inhalten verarbeiten, etwa auf Basis von Ontologien, die einen bestimmten Ausschnitt aus dem realen Leben in eine für den Computer verständliche Struktur überführen. Diese beiden Entwicklungen zusammenzuführen, so dass sich innovative Technik und menschliche Fähigkeiten optimal ergänzen und eine neue Qualität im Internet bieten, ist das Ziel von Alexandria.

Ein gutes Beispiel für diesen Aspekt ist das so genannte Tagging, die Zuordnung von beschreibenden Informationen (Metadaten) zu einem Dokument oder Bild. Grundsätzlich sind sowohl der Mensch als auch die Technik in der Lage dies zu tun. Beide Möglichkeiten haben Stärken und Schwächen, die sich aber möglicherweise durch eine Nutzung beider Ansätze optimieren lassen. So kann die Technik Schreibfehler ausgleichen, und der Mensch Fehldeutungen ähnlicher oder gleicher Begriffe besser erkennen. Genau an dieser Stelle setzt das Alexandria-Projekt an, indem es die Anwender in den Aufbau einer intelligenten und wissensbasierten Infrastruktur einbezieht.

Dem Forschungsvorhaben haben sich unter der Leitung von LYCOS-Europe mehrere namhafte Partner verschrieben, darunter zwei Bereiche der Siemens AG. Siemens Corporate Technology widmet sich zentral der Frage, auf welchem Wege sich von Experten aufgebaute Ontologien mit Folksonomies verknüpfen lassen. Für Siemens IT Solutions and Services stehen Forschungsarbeiten zur einfachen und intuitiven Nutzbarkeit einer solchen Plattform, Überprüfung und Erhöhung der Informationsqualität und Gestaltung einer aktiven Alexandria Community im Vordergrund. Die Deutsche Nationalbibliothek bringt ihre Bibliothekskompetenz in das Projekt ein und bietet qualitativ hochwertige Inhalte. Lycos selbst entwickelt zentrale Teile der Konzeption und leistet die technische Umsetzung der Plattform.